In einem Wald treffen zwei ehemalige Mitglieder der bewaffneten antikapitalistischen Westschweizer Gruppierung «La Bande à Fasel» an einem Lagerfeuer auf drei junge Aktivistinnen von in der Schweiz aktiven Klima- und antirassistischen Kollektiven. Eine Nacht lang diskutieren sie Fragen über den zivilen Ungehorsam und radikalere Formen des Widerstands. Wie weit darf man gehen, um seine Ideale zu verteidigen?
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«Mit seiner Bande überfiel der Anarchist Jacques Fasel in den Siebzigern Poststellen und Geldtransporter in der Romandie, mit der Beute finanzierten sie autonome Projekte. Jahrelang hat sich kaum jemand für Jacques Fasels Geschichte interessiert. Ändern könnte das ein Dokumentarfilm. In Autour du feu der Genfer Regisseurinnen Laura Cazador und Amanda Cortés sitzen Jacques Fasel und Daniel Bloch eine Nacht lang mit drei jungen Aktivistinnen aus der Klimabewegung und antirassistischen Kollektiven um ein Lagerfeuer im Wald – und sprechen über Formen des Widerstands und der Repression im Lauf der Zeit. Zur Sprache kommen dabei Gemeinsamkeiten wie die Ablehnung des kapitalistischen Systems, aber auch Unterschiede, insbesondere im Verhältnis zu Gewalt.»
Anna Jikhareva und Ayse Turcan, WOZ
«Der «VISIONI»-Preis geht an Autour du feu von Laura Cazador und Amanda Cortés. Mutig und nicht ohne Risiko, einfach aber originell strukturiert spricht dieser Film auf unerwartete und spannende Art ein komplexes und sehr aktuelles Thema an.
Die Filmemacherinnen lassen mit einem Autorinnenansatz selbstbestimmte wie verletzbare Figuren eine Nacht lang um ein Feuer sitzen. Es entsteht eine Reflexion über Engagement, Aktivismus und unsere Beziehung zu Politik, Rebellion, Rechtmässigkeit und Gemeinschaft.
Ein notwendiger Dokumentarfilm, der Grenzen erforscht, sich in trübe Zonen begibt, der verschiedene Generationen vereint und konfrontiert, der über die heutige Welt spricht und über die Probleme, mit denen wir alle als Bürger:innen konfrontiert sind.»
Jury, Laudatio «Visioni», 59. Solothurner Filmtage 2024
«Autour du feu erinnert daran, dass politischer Protest in der Schweiz eine eigene radikale Geschichte hat – nicht nur stille Neutralität. Er zeigt auch, wie sich die Formen des Widerstands verändern: von konspirativen Zellen hin zu offenen Kollektiven, von bewaffneten Aktionen hin zu symbolischen Besetzungen, von ideologischen Fronten hin zu inklusiveren Bewegungen. Was jedoch bleibt: der Kampf um Gerechtigkeit – und die Frage, welchen Preis man bereit ist zu zahlen. Autour du feu ist ein Kinoerlebnis, das nachwirkt – ein Film, der Aktivismus nicht glorifiziert, sondern menschlich macht, mit all seinen Widersprüchen.»
Bald im Kino, arttv.ch
«Dass es qualmt am Lagerfeuer, dass die Funken stieben, dass es dunkel ist im Wald, aber erhellend in den Gesprächen, das macht die 80 Minuten dieses ungewöhnlichen Dokumentarfilms ohren- und augenfällig attraktiver, als es eine Beschreibung erahnen lassen kann. Und die Widersprüche, die legitime Wut und Verzweiflung, gemischt mit romantisch-revolutionärem, jugendlichem Impetus über die Generationen hinweg, die fahren einem in die passiven, kinosesselunterpolsterten Knochen.»
Michael Sennhauser, sennhausersfilmblog.ch
«Laura Casador und Amanda Cortés versammeln fünf mehrheitlich anonymisierte Personen um ein Lagerfeuer, wo sie sich über ihre Perspektiven, Grenzen und Rechtfertigungen für ihre Aktionen im Sinne eines sogenannt zivilen Ungehorsams austauschen. Das Gewaltmonopol des Staates wird reihum nicht anerkannt. Als grosser Unterschied zwischen den Generationen wird erkennbar, dass die beiden älteren Herren der ehemaligen Gruppe «Fasel» einen im Vergleich zu den Jungen tendenziell verengteren Blick auf die überhaupt zur Verfügung stehenden Mittel zu einer Gegenwehr hatten. Wobei die Stimmung und die Verkrustung ihrer Ränder in der Schweiz vor 50 Jahren gegenüber heute auch eine entschieden andere war. Die jungen Personen fragen – immer dem Film «Autour du feu» gemäss – und hinterfragen sehr viel angestrengter und in kollaborativen Prozessen, welche Ziele erreichen zu wollen überhaupt Sinn ergeben könnten und inwieweit ein Erstimpuls für eine Aktion überhaupt damit vereinbar erscheint. Hinzu kommt, dass die Hemdsärmligkeit von bewaffneten Raubüberfällen, wie sie in den 1970er-Jahren noch zum Teil erfolgsversprechend erschienen, erstens als nicht mehr opportun angesehen werden und zweitens auch zu einer massgeblich geringeren Ausbeute führen würden.»
Thierry Frochaux, P.S. Zeitung
«Der Dokumentarfilm der beiden Genferinnen Laura Cazador und Amanda Cortés eröffnet aus historischer Perspektive eine faszinierende Debatte über Revolte, ihre Gründe, ihre Formen und ihre Folgen. Der an den Solothurner Filmtagen ausgezeichnete Dokumentarfilm bietet einen wohltuenden Raum für Reflexion – in einer Zeit, in der Aktivismus kriminalisiert wird und die extreme Rechte immer enthemmter auftritt.»
Matthieu Loewer, Le Courrier
Buch und Regie Laura Cazador und Amanda Cortés Produktion DOK MOBILE
Kamera Guillaume Epars Ton Igor Marlot Schnitt Natasha Degrandi et Amanda Cortés Musik Paul Courlet und Carla Claros Rollano Tonmischung Philippe Ciompi Tonschnitt Mathis Damour